Austausch Elisabethenschüler zu Besuch am SGG SPRENDLINGEN /BINGEN.
Daniel und Christoph waren sich einig: "Wir kommen wieder. Klar!"
Berührungsängste haben die beiden 17 und 18 Jahre alten Jungs der
Elisabethenschule in Sprendlingen nicht. Auch nicht vor dem Unbekannten.
Vor dem, was sie bei ihrem Besuch des Ethikkurses der zehnten Klassenstufe
im Stefan-George-Gymnasium (SGG) erwartete. Unterricht einmal anders.
Lebensnah. "Leben mit Behinderten" war Unterrichtsthema, berichtete
Egon Goldschmidt. Den Umgang normalisieren, auch durch direkte Begegnungen
sei dabei ein wichtiger Aspekt, den die Mutter einer Schülerin ermöglicht
habe, die an der Förderschule arbeite. Anfang Mai waren die Binger
zu Gast in Sprendlingen , nun erfolgte die "Revanche" mit dem Gegenbesuch.
Zwei Gruppen wurden gebildet, zwischen Chemieunterricht und Sport
abgewechselt. Sport, weil Bewegung immer gut ist. Und Chemie, weil
es das an der Förderschule so nicht gibt. Entsprechend begeistert
waren die 18 Schüler. Erleben, wie Farben verlaufen, war das eine.
Die Energie, die in einem Gummibärchen steckt, live zu sehen. Christoph
strahlte: "Da wurde in kleinen Gläschen etwas wie Speisesalz aufs
Bärchen gemacht, erhitzt, und dann wurde es flüssig." Auch Daniel
war fasziniert: Erst habe es richtig gebrannt - "und dann war es
auf einmal weg!" Bettina Hessing-Krauß lobte den großartigen Umgang
miteinander. Ein Gefühl, das die Gymnasiasten teilten. Mehdi (16)
fand es sehr angenehm. Es mache Spaß, in Kontakt zu kommen. Wie
Nicolas hatte auch er zunächst eine gewisse Scheu. Die war aber
schnell abgelegt. Was vor allem an der gegenseitigen Offenheit und
Rücksichtnahme, der Akzeptanz und dem unkomplizierten Umgang miteinander
lag. Offen und locker seien "ihre" Kinder immer, erzählte Anke Aslanifard,
besagte Mutter einer SGG-Schülerin und Pädagogische Fachkraft der
Elisabethenschule . Ihren Schülern habe der Besuch der SGGler damals
total gut gefallen. Wichtig sei für alle, dass es im Unterricht
nicht nur um graue Theorie gehe, sondern dass jeder selbst aktiv
sein könne. Eine Sache, die vor allem für die Förderschüler unabdingbar
sei: Bewegung und Dinge zum Anfassen seien wichtig. Darüber ließen
sich auch leicht Kontakte knüpfen, Menschlichkeit und Miteinander
erfahren. Für die Gymnasiasten hieß das, "alles etwas runterzufahren",
das Leben abseits des theoretischen Paukstoffes kennen zu lernen.
Canel (16) und Alissia (15) gefiel das sehr gut. Außergewöhnlich
und schon ein bisschen anstrengend sei alles, meinte der eine. Jeder
profitiert vom anderen Und seine jüngere Klassenkameradin hatte
die unterschiedlichen Stärken aller erkannt, zumal sie wie die meisten
vorher keinerlei Kontakt zu Förderschülern hatte. Hier könne wirklich
jeder von dem jeweils Anderen profitieren. Kompliziert sei es schon,
bekannte Goldschmidt, war aber vollauf zufrieden: "Es hat wunderbar
geklappt!" Mit der Idee, eventuell auch andere Ethik-Jahrgänge einzubinden
und zu einer möglichen Kooperation mit der Elisabethen-Schule zu
kommen, hat er sich längst angefreundet. Übrigens: Das SGG konnte
noch in einer anderen Hinsicht punkten. "Das Essen hat viel besser
geschmeckt als bei uns", war Christoph vom Mittagstisch in der Cafeteria
begeistert. Auswärts schmeckt's halt eben doch oft besser als zuhause.
" Der direkte Kontakt bringt mehr als alle Theorie." Egon Goldschmidt,
SGG-Lehrer
Von Jochen Werner