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"WENN DER REBBE SINGT...." Ein Abend mit jiddischen Liedern / Das SGG-Forum
zu Gast in der Villa Sachsen
Erstmals im Rahmen seiner Veranstaltungsreihe "SGG-Forum" lud das Stefan-George-Gymnasium zu einem Abend mit jiddischen Liedern in die Villa Sachsen ein. Gleichzeitig bildete das Konzert den kulturellen Höhepunkt des derzeit laufendem historischen Schulschwerpunktes "60 Jahre Kriegsende".
Für den Abend konnten die Künstler Gernot und Guido Blume sowie Volkmar Döring gewonnen werden. Sie sangen und spielten Lieder, die die Lebenssituation der jüdischen Bevölkerung unter dem Faschismus beschreiben und zum Widerstand aufrufen: - ('Ss brent," "Schtil di Nacht is oisgeschternt," "Wu ahin soll ich geijn"), sowie Liebeslieder ("Oj dortn, dortn"), Lieder, die ihre Zeit dokumentieren und schildern ("Arbetlose Marsch," Dschankoje," "Di grine Kusine"). Einmal beschreibt ein Lied die Situation einer armen Familie, die nicht weiß, woher die nächste Miete zu bezahlen ist, ein andermal wird die Enttäuschung einer jüdischen Auswanderin nach Amerika geschildert, für die sich der Traum von einem besseren Leben nicht verwirklicht hat. Andernorts erscheint das Bild des "Rebbe" oder Rabbi, einer zentralen Figur im jüdischen Leben. Er lehrt die Kinder das ABC und erklärt ihnen wie viele Tränen, aber auch wieviel Trost in den Buchstaben stecken. Musikalisch wurden diese Lieder abwechslungsreich instrumentiert: mit Gitarren, zwei- und dreistimmigem Gesang, Mandoline, Geige, Akkordeon, Harfe, Nyckelharpa, und Concertina. Die Orchestrierungen versuchen der einzigartigen Poesie der Melodien und der Klangwelt jiddischer Lieder einen starken Ausdruck zu geben. Die Lieder sind voller Dramatik und emotionaler Tiefe, voller Freude und voller Trauer. Diese Musik rührt an, sie bewegt und will bewegen. Einmal fliegt die Geige auf einem Höhenflug der Töne dahin, dann stampft das Akkordeon einen Marsch, die Harfe zelebriert Beschaulichkeit, und die Mandoline beklagt zitternd das Erleben von Not und Krieg. Die Tastenfiedel (Nyckelharpa) tanzt zum Aufruf zu einem "freijlech Lidele." Die Bandbreite der Lebenserfahrung braucht viele Farben des Ausdrucks. Wenn die drei Künstler diese Lieder singen, dann betrachten sie nicht nur eine Kultur, der unsägliches Leid zugefügt wurde, sondern betrachten auch uns selbst, denn sie verleihen allgemein menschlichen Fragen einen packenden Ausdruck. Guido und Gernot Blume singen diese Lieder seit 25 Jahren, aber zum ersten Mal in der Kombination mit dem Sänger und Liedermacher Volkmar Döring. Was damals als Spurensuche deutscher Geschichte und ihrer Bewältigung begann, ist heute nach wie vor ein wichtiges Zeitdokument, und ein Meilenstein auf ihrer Musikgeschichte. Dem mitgehenden und teilweise mitsingenden Publikum wurde ein musikalisches Ereignis der Sonderklasse geboten! Meisterhaft verstanden es Guido und Gernot Blume sowie Volker Döring ein breites Repertiore an jiddischen Liedern zu präsentieren, wobei die schwierige Balance zwischen Ernsthaftem und Unterhaltsamem stets gehalten wurde - und alles erfrischend frei von moralinsaurer Zeigefinger-Belehrung. Die schönen Räumlichkeiten der Villa Sachsen boten dazu den passenden Rahmen für einen wunderbaren und bereichernden Abend, der wohl den meisten Besuchern noch lange nachklingen wird. E. Goldschmidt |