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12.10.05- 19:30 Uhr: Vortrag Prof. Dr. Gernot Blume, "Was ist schöne Musik"?

Die Bedeutung des Kulturrelativismus für die Wahrnehmung der ästhetischen Grundlagen musikalischer Systeme." Dr. Gernot Blume (Ph.D.), Musikethnologe, Komponist, Musiker.

Zum Inhalt: Anhand der Einsichten aus der zeitgenössischen Anthropologie, mit besonderer Bezugnahme auf den amerikanischen Wissenschaftler Clifford Geertz, ist dieser Vortrag ein Plädoyer für das Verständnis der kulturellen Gebundenheit ästhetischer Vorstellungen. Nicht nur die Kunstobjekte, sondern auch die Einstellungen die der Hervorbringung eines Kunstwerkes zugrunde liegen, sind kulturell bedingt. Bachs Genie ist kein absolutes, oder gar metaphysisches, sondern unter anderem eine Reaktion auf ganz bestimmte ästhetische Kriterien und Gegebenheiten, die die Kultur Bachs kennzeichneten. Das Mysterium der Schönheit seiner Kunst ist nicht werkimmanent zu enträtseln, und liegt nicht nur in der Funktion der Beziehung von Noten zueinander begraben, sondern ergibt sich aus einem komplexen Beziehungsgeflecht von Künstler, Publikum, Zeit, kulturellem Umfeld und Geschichte. Dass wir sein Genie gerne als metaphysisch betrachten entpuppt sich selbst als eine kulturell konzipierte Koordinate für unsere Rezeption von Kunst. Wie relativ diese Koordinaten sein können werden wir durch einen vergleichenden Blick auf die Andersartigkeit der ästhetischen Grundlagen verschiedener musikalischer Systeme, von Indien über Indonesien und Afrika bis hin zu unserem Kulturkreis, erkennen.

Zum Vortragenden: Der in Bingen gebürtige Komponist, Multi-Instrumentalist und Musikethnologe Gernot Blume wuchs mit klassischer Klaviermusik ebenso wie mit irischer, yiddischer und osteuropäischer Folklore auf. Autodidaktisch erlernte er Gitarre, Mandoline, Perkussion, Flöten und Harfe. 1988 zog er in die Vereinigten Staaten um ein Studium in Weltmusik, Jazz, und Komposition am CalArts in Los Angeles zu absolvieren. Dort lernte er auch indische Musik mit Amiya Dasgupta, einem Hauptschüler des berühmten Sitarvirtuosen Ravi Shankar. Danach studierte er Musikethnologie an der University of Michigan, wo er 1998 mit einer Dissertation über den amerikanischen Jazz Pianisten Keith Jarrett promovierte. Fünf Jahre lang lehrte er als Professor für Musik am Lewis & Clark College in Portland, Oregon, USA. 2003 kehrte er mit seiner Familie nach Deutschland zurück. Er unterrichtet Musik an der Hildegardisschule Bingen, hat einen Lehrauftrag in Musikwissenschaft an der Goethe-Universität Frankfurt inne, und arbeitet freiberuflich als Musiker. Er ist ehemaliger Schüler des SGG Bingen.

Gernot Blume erhielt als Komponist und Musiker verschiedene Preise und Anerkennungen in den USA und in Deutschland, so ist er unter anderem Träger des Kulturförderpreises der Stadt Bingen. Er musiziert seit 1981 für Konzerte, CDs, Filme, und Videoaufnahmen, und seine Kompositionen sind an zahlreichen renommierten Kulturinstitutionen in den USA, Japan und Deutschland aufgeführt worden.