Europapolitik als Beitrag zur Friedenssicherung
und zum Wirtschaftswachstum in Deutschland:
der Europapolitiker Ralf Walter (MdEP-SPD) am SGG
Der Europapolitiker Ralf Walter besuchte auf Initiative von Egon Goldschmidt das SGG.
Nach einer herzlichen Begrüßung durch den Schulleiter, Oberstudiendirektor
Reiner Oschewsky, sprach er zu den Schülerinnen und Schülern der Jahrgangssstufe 12.
Man spürte sofort, dass dieser versierte Politiker es versteht, auch einen für Schüler sonst eher trockenen Stoff lebendig und verständlich darzulegen. Nach einem kurzen biografischen Abriss seines steilen und beachtlichen Werdegangs vom einfachen Arbeiterkind zum Vizepräsidenten des europäischen Haushaltsausschusses erläuterte er komplizierte Entscheidungsprozesse in der EU, stellte die große und bunte Vielfalt der Lebenslagen und Bedürfnisse der Menschen in einem Europa der 25 Nationen vor, das von den Azoren bis an die Grenzen der Ukraine, vom beinahe menschenleeren Lappland bis in die heißen Zonen Südspaniens, Süditaliens und Griechenlands reicht. Europäische Politik muss die verschiedenartigsten Interessenlagen aller dieser Menschen glaubwürdig vertreten. Weiterhin führte er aus, dass in diesem babylonischen Sprachengewirr europäischer Ausschüsse und Parlamentssitzungen das Deutsche neuerdings wieder neben dem Englischen und Französischen einen höheren Stellenwert bekommen hat. Dies ist auf die neuen östlichen Beitrittsländer zurückzuführen, die gerne auch die deutsche Sprache verwenden. Das Erlernen von Fremdspachen ist nach seiner Meinung ein unverzichtbares Element in einem zusammenwachsenden Europa.
Walter bekämpfte in seinen Ausführungen das Desinteresse an Europa, ja einen wachsenden Europapessimismus, der leider auch bei vielen Jungendlichen anzutreffen ist.
Vor allem wollte er mit dem leider eingefleischten Vorurteil aufräumen, dass wir Deutsche nur die großen Einzahler in die EU-Kassen seien. Er zeigte mit drastischen Beispielen, dass das ganze Geflecht keine Einbahnstraße ist, sondern dass wir selbstverständlich auch für unsere Krisenregionen sehr viel Geld aus Europa bekamen, genauso wie früher arme Regionen in Portugal oder Spanien. Das eben stellt den Kern der europäischen Solidarität dar.
Walter überzeugte durch seine humorvolle und klar akzentuierte Vortragsweise. Außerdem verhehlte er seinen politischen Standpunkt an keiner Stelle: er ist eben ein Vollblut-Sozialdemokrat, sicherlich auch geprägt durch die Erfahrungen in seiner Kindheit- und Jugendzeit. Sein Vater, ein bescheidener Hilfsarbeiter, aber ein kluger und rechtschaffener Mann, der unmittelbar nach dem Krieg keine Bildungschancen gehabt hat, scheint einen prägenden Einfluss auf ihn ausgeübt zu haben.
So verstanden die Schüler, warum er trotz dieser beachtlichen Karriere viel Sympathie und
Verständnis für den "kleinen Mann" bewahrt hat und kein "abgehobener" Parlamentarier ist.
Viele unterschiedliche Themenbereiche wurden berührt: die europäische Verfassung, Finanzierungsfragen, die Arbeitslosigkeit oder auch das Problem drohender oder schon erfolgter Standortverlagerungen deutscher oder internationaler Unternehmungen von Deutschland in andere weniger lohnintensive Nachbarländer. Walter wies mit Entschiedenheit zurück, dass dies teilweise mit Fördergelder der EU geschehen sei. Letztlich war dem Mosellaner auch die Güte des deutschen Weines im Verhältnis zum amerikanischen Importwein eine intensive Stellungnahme wert.
Trotz aller Kritik ist Walter zutiefst davon überzeugt, dass es keine vernünftige Alternative zu einem geeinten Europa gibt. Für ihn ist Nationalismus – und da zitierte er Mitterand, den verstorbenen französischen Staatspräsidenten und großen Europäer - früher oder später Krieg, die Kriegserklärung an andere Völker.
Noch ein interesssantes Detail.
Er machte den Schülerinnen und Schülern klar, dass jeder Deutscher genau 10 Euro pro Monat für den EU-Haushalt aufbringt, gewiss bei 83 Millionen eine nicht geringe Summe, aber letztlich ein Betrag, den wir hervorragend investieren. Dieses Geld ist, gemessen am gesamten deutschen Sozialprodukt, ein kleiner Beitrag, der uns aber eine erhebliche Sicherheitsdividende einbringt und unsere wirtschaftlichen Verbindungen zu unseren wichtigsten Handelspartnern stabilisiert.
Politiker wie Ralf Walter verstehen es Schüler für komplexe Fragen der Europapolitik zu sensibilisieren und sie vielleicht für eine spätere aktive Parteinahme zu aktivieren. Schließlich möchte er vor allem die Schüler zu einer kritischen Auseinandersetzung mit Europa führen. Sie sollten niemals das Positive vergessen, das uns der europäische Integrationsprozess bisher gebracht hat und weiter garantiert: Frieden, Sicherheit und einen angemessenen Wohlstand.
Donald Kulesza-Betzen