Artikel von Herrn Goldschmidt zum SGG-Forum am 28.2.2007 :
"Was Jugendliche essen.... (sollten)!!!" oder "Richtige und falsche Ernährung
und deren Folgen."
Vortrag von Prof. Dr. G. Belz und Dr. R.Link
Die XXL-Generation wächst heran
SGG-Forum zum Thema "Richtige und falsche Ernaehrung und deren Folgen." - "Volkskrankheit" übergewichtige Kinder
"Cola, Pommes und TV - no sports!" - So brachte der Wiesbadener Kardiologe Prof. Gustav Belz, der auf Einladung des Stefan-George-Gymnasiums und auf Vermittlung des Rotary-Clubs Bingen beim jüngsten SGG-Forum sprach, das Problem zu Beginn seines Vortrages markant auf den Punkt.
Im Klartext: Ungesunde Ernährung und Bewegungsmangel sind die Hauptursachen für die deutliche Zunahme übergewichtiger Kinder und Jugendlicher - und das weltweit. Jedes 5. Kind und jeder 3. Jugendliche gelten schon heute als übergewichtig, das sind rund 1,9 Millionen der 3 bis 17jährigen in Deutschland. In 10 Jahren rechnet man mit einer Verdoppelung der Betroffenen. Seniorenkrankheiten schon als Kind? Aus übergewichtigen Kindern werden später nicht nur übergewichtige Erwachsene. Bereits im Kindesalter werden heute als Folge vermehrt Krankheiten festgestellt, wie man sie sonst nur von Senioren kennt: Herz-Kreislauf-Störungen, Gelenkprobleme, Bluthochdruck und vor allem Typ 2 Diabetes (im Volksmund der so genannte "Alterszucker")
Auch die volkswirtschaftlichen Folgekosten wären immens. Allein für Dialyse-Behand-lungen bei Nierenversagen als Folge von Diabetes wäre mit 100.000 Euro pro Patient und Jahr zu rechnen. Das Gesundheitssystem würde - so Prof. Belz - kollabieren. Die WHO (Weltgesundheitsorgansiation) warnt schon heute vor epidemischen Ausmaßen der Zivilisationserscheinung Übergewicht.
Was aber ist angesichts der alarmierenden Meldungen zu tun? Es geht darum, so Prof. Belz, jetzt "etwas Vernünftiges für junge Menschen zu machen". "Wenn man nichts macht, geschieht auch nichts!" - so seine einleuchtend einfache Schlussfolgerung. Aus dieser zwingenden Einsicht ist das Projekt "Gesunde Kids" als Initiative der Rotary-Clubs in Hessen und Rheinland-Pfalz hervorgegangen. Prävention ist das Gebot der Stunde, die Adressaten sind insbesondere Elternhaus und Schule.
Konsequenterweise blieb der Vortrag beim SGG-Forum auch nicht bei der Beschreibung des
Problems stehen. Mit Frau Dr.Reinhild Link hatte Prof. Belz eine profunde Ernährungs-wissenschaftlerin mitgebracht, die seine Ausführungen mit konkreten Ernährungstipps zu ergänzen verstand, ohne den erhobenen Zeigefinger zu strapazieren:
Aber Gesundheit fällt nicht vom Himmel: "Gesundheit ist das Resultat vernünftiger Ernährung und Bewegung: Deine Ernährung soll deine Arznei sei", postulierte Frau Dr. Link. Und damit könne man nicht früh genug anfangen, schon im Kindergarten habe Prävention zu beginnen, denn: "Was Hänschen nicht lernt, lernt Hans nimmermehr." Und dabei sei die Vorbildfunktion von Eltern, Lehrern und Erziehern nicht zu unterschätzen, ja geradezu unabdingbar: "Reden allein hilft nicht!" Crash-Diäten und Verbote sind aber auch nicht angesagt: "Auf die Menge kommt es an", so Dr. Link.
Und dabei könne die "Ernährungsampel" sehr hilfreich sein, Kindern und Jugendlichen einen einfachen Kompass für eine Veränderung der eingefahrenen Essgewohnheiten an die Hand zu geben.
Das bedeutet: "Grüne Lebensmittel" sollten bevorzugt werden, "gelbe Lebensmittel" enthalten mehr Fett und Zucker und sollten deswegen in Maßen gegessen werden und "rote Lebensmittel" sollten nur sehr selten auf den Tisch kommen. Es gibt also kein generelles Verbot, sondern nur eine Empfehlung, wie häufig man was essen darf. Die Kinder lernen so ganz einfach ein anderes, gesünderes Essverhalten . (Näheres dazu im Internet auf www.gesundekids.de)
"Viel trinken macht fit" lautet die wichtige Ergänzung der Ernährungsampel, trinken zu jeder Mahlzeit, vornehmlich Wasser, verdünnte Säfte, Kräuter- und Früchtetees. "5 mal täglich Obst und Gemüse" kann als weitere Faustregel gelten. Und nicht zu vergessen die Sorge um ein gesundes Pausenbrot, womit auch die Zusammenarbeit zwischen Elternhaus und Schule ins Blickfeld des Abends gerückt wurde. Der Appell, auch im Schulalltag über den regulären Sportunterricht hinaus für mehr Bewegung zu sorgen, rundete den Katalog der Forderungen ab. "Warum wird am Wandertag der Schulen so selten gewandert?", so in der an-schließenden Diskussion die allzu berechtigte Frage von Prof. Grötz (vom Vorstand des Rotary-Clubs Bingen), dem Schulleiter Oschewsky neben den Referenten abschließend in besonderer Weise ganz herzlich für Initiative und Ermöglichung der Informations-veranstaltung dankte.
Die erfreuliche Zusammenarbeit zwischen dem SGG und dem Rotary-Club Bingen soll, so betonten beide Seiten, auch in Zukunft fortgesetzt werden.
Egon Goldschmidt