29. September 2011, 19.30 Uhr, Cafeteria
Veni vidi vici - Geflügelte Worte und Wortgeschichten aus der Antike
Referent: Klaus Bartels (auf Initiative der Altphilologen
am SGG)
In amüsanten ›Wortgeschichten‹ verfolgt Klaus Bartels die Beziehungskisten
und Bedeutungssprünge quicklebendiger Worte aus den Alten Sprachen
bis in den modernen Euro-Wortschatz und die geläufige Alltagssprache.
In unnachahmlichem Stil und auf kleinstem Raum liefert er die Herleitung
von lateinischen und griechischen Wörtern und Redewendungen und macht
kultur- und geistesgeschichtliche Entwicklungen lebendig. Seine Wortgeschichten
sprühen von sprachlichen Pointen und der ausführliche Wortindex der
Bände verleiht der Sammlung zusätzlich den Charakter eines Nachschlagewerkes.
Wer wissen will, was eigentlich hinter den Geflügelten Worten steckt
und woher sie stammen, der ist mit ›Veni Vidi Vici‹ aufs Vortrefflichste
bedient.
Wie die Murmeltiere murmeln lernten
Die hier versammelten ›Wörterlebensläufe‹ – halb Sprachgeschichte,
halb Kulturgeschichte – stecken voller Überraschungen und Aha-Erlebnisse.
Die geneigten Leserinnen und Leser seien vorgewarnt: Die Lektüre dieser
Wortgeschichten könnte ihre Milz gefährden: in der Milz, griechisch
›splen‹, hat der ›Spleen‹ seinen Sitz!
Trüffelschweine im Kartoffelacker
Was hat eine Armbrust mit Tells Arm und Heldenbrust zu schaffen?
Und was ein Osterspaziergang mit einem Debakel, eine Brezel mit einer
Bratsche, ein Restaurant mit einer Wiederaufbereitungsanlage? Wie
hat es eine Türangel zum Kardinal gebracht, und wie sind die Trüffeln
zu Kartoffeln geworden? Diese Sammlung enthält 77 vergnüglich-interessante
Wortgeschichten von Agenda und Road Map bis Zukunft.
Wie Berenike auf die Vernissage kam Die Wörter sprechen; man muss
sie nur fragen. Dann zeigt sich zum Beispiel, dass im ›Clown‹ ein
dummer Bauerntölpel und im ›Strolch‹ ein schlauer ›Astrologe‹ steckt,
dass der ›Tourist‹ aus einer griechischen Drechslerwerkstatt kommt
und das ›Porzellan‹ aus einem römischen Saustall, dass hinter dem
›Kanzler‹ ein Lattenzaun steht und die alte Königin Berenike auf jeder
›Vernissage‹ Ehrengast ist.
Zum Thema:
Um drei Ecken ist die Sau, lateinisch porcus, aus einem korinthischen
Schweinekoben in die Meissener Porzellanmanufaktur gestürmt. Aber
was hat das "Parlament" mit einem "Palaver", ein Doping-"Test" mit
dem "Testosteron", das "Salz" mit dem "Salär", die "Atmosphäre" mit
dem "Atmen" zu schaffen? Die einen viel, die anderen nichts. In knappen,
geschliffenen Essays verfolgt Klaus Bartels die Fährten der Wörter
mit ihren oft verwunderlichen Bedeutungssprüngen und Beziehungskisten
durch die Zeiten und die Sprachen und führt den Leser von einem vergnüglichen
Aha-Erlebnis zum anderen. "Bartels zeigt mit unprätentiöser Gelehrsamkeit,
ebenso unterhaltsam wie informativ, dass gerade die aktuellsten vor
lauter Gegenwärtigkeit strotzenden Wörter eine Geschichte haben und
mehr erzählen können, als es in den Multimedia gespeichert ist ..."
(Ludger Lütkehaus in der "NZZ")
Zum Referenten:
Klaus Bartels, Kilchberg am Zürichsee, studierte Klassische Philologie
und Philosophie in Tübingen, München und London. Für seine jahrzehntelang
laufenden Zeitungsrubriken, für seine Sammlung "Roms sprechende Steine.
Inschriften aus zwei Jahrtausenden" (Verlag Philipp von Zabern, 3.
Auflage 2004) und für sein Standardwerk "Veni vidi vici. Geflügelte
Worte aus dem Griechischen und Lateinischen" (13. Auflage, Mainz 2010)
wurde er 2004 mit dem Jahrespreis der "Stiftung für Abendländische
Ethik und Kultur" ausgezeichnet. Die jüngste Wortgeschichtensammlung:
"Die Sau im Porzellanladen. 77 neue Wortgeschichten" (Mainz 2008);
im August 2011 erscheint: "Jahrtausendworte - in die Gegenwart gesprochen",
ausgewählt, übersetzt und vorgestellt von Klaus Bartels, Verlag Philipp
von Zabern, Mainz 2011.