Sich selbst mit den Augen des Anderen sehen, das wollen alle Figuren des Stückes "Sinn" auf die eine oder andere Weise. Jede wünscht sich, die unwahrscheinlichste aller Kombinationen möge Wirklichkeit werden. Die Sinnsuche, die in der Pubertaet beginnt - sie ist schmerzhaft. Die Begegnung mit dem eigenen Ich fällt oft anders aus als erwartet. Und während der eine das Fremde im Gegenüber bekaempft, ist für den anderen das Unbekannte in sich selbst der größte Feind.
"Ist sie hell oder dunkel deine Welt?" Auf die Frage, mit der das von Walburg Schwenke inszenierte Stueck anfaengt und auch endet, gibt es keine einfa-che Antwort. Schon gar nicht in der Pubertaet, wenn sowieso durch ein falsches Wort von einem Moment zum anderen die gesamte Welt zusammen-brechen kann.
Jede Figur ist auf der Suche nach dem einen, dem ganz gro-ßen Gefühl. Nicht immer findet es sich in der Person, die dem Kopf passend erscheint. Nach grüblerischen Nächten, verletzten Gefuehlen und bitteren Tränen siegt dann doch in den meisten Fällen das Herz. So auch bei Phöbe (Elena Abraham Aracena), die sich in den blinden Fred (Thorsten Herberger) verliebt. Anfangs zweifelt sie, ob an einem Blinden ihre Attraktivität nicht vergeudet ist. Doch als sie sich in Freds Augen verliert, ist es um sie geschehen.
In der Geschichte von Albert (großartig: Philip Barth) und Natascha (Thi Hong Ngoc Luong) finden zwei Außenseiter zueinander, er der weltfremde Streber und sie die durchgeknallte Sitzenbleiberin, die nach "Melodien jenseits des Gelabers" sucht. Obwohl Albert eigentlich "der letzte Mensch in ihrem System" ist, spielt ihr Koerper am Morgen vor dem ersten Treffen vor lauter Verliebtheit verrueckt. Am eindringlichsten bleibt die Episode zwischen den ehemals besten Freunden Tommi (Daniel Flohr) und Karl (Jonathan Diehn) in Erinnerung. Die beiden können mit ihren wachsenden Gefühlen füreinander nicht umgehen. Das Wiedersehen nach langer Funkstille endet blutig, denn es kann nicht sein, was nicht sein darf. Das Fremde im eigenen Selbst wird ausgemerzt. Zurück bleibt nur ein verzweifeltes "Ich vermisse dich so unendlich."
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