Bevölkerungsentwicklung und Folgen - von Daniel Daum
Die ersten Bewohner waren die Vorfahren der heutigen Twa. Sie lebten als Sammler und Jäger dies ist der Grund weshalb sie ein weitläufiges Territorium zur Versorgung der Bevölkerung mit Nahrungsmitteln benötigten.
Die durch den Bevölkerungsdruck ausgelösten Wanderbewegungen veränderten die Bevölkerungsstruktur in Zentralafrika und dauerten mehrere Jahrhunderte an. Diese Völkerwanderung ging aus den nördlichen Savannen Bantus hervor. Diese Bantus (Hutu) erschlossen sich durch Brandrodung große Flächen in Ruanda, bildeten Clangruppen, die sich zu kleinen Königreichen vereinigten.
Im 14. Jahrhunderte zogen Normaden (Tutsi ) mit Rinderherden, aus dem Sudan kommend, in Ruanda ein. Sie schlossen sich auch zu Familieclans zusammen. Sie organisierten ein eigenes Staatsgebilde in Form eines sakralen Königtums.
Somit lebten 3 komplett verschiedene Bevölkerungsgruppen in Ruanda zusammen.
Es gelang im 17. Jahrhundert den Tutsi die Unterwerfung einiger Hutu-Königtümer und somit die Machtausdehnung auf größere Regionen. Das Königreich Ruanda entstand. Es bildete sich ein strenges Abhängigkeitssystem (Lehnswesen). Allerdings war es möglich durch Machtzuwachs, durch Heirat oder Schenkungen des Königs, dass ein Hutu zum Tutsi, ein Twa zum Hutu oder Tutsi werden konnte.
Tutsi 1934 etwa 15% der gesamt Bevölkerung.
Ende der 50. Jahre wuchsen die Forderungen der Hutu-Bevölkerungsmehrheit nach Befreiung aus wirtschaftlichen und sozialen Zwängen. 1960 überschattet massive Unruhen und die Flucht 200000 Tutsi die ersten freie Wahlen.
Es folgten Jahren der blutigen Auseinandersetzung zwischen den Bevölkerungsgruppen den Tutsi und Hutu. So drang eine Tutsi-Rebellenarmee aus dem Exil nach Ruanda ein. Der Versuch der Machtübernahmen scheiterte, welchen die Hutus mit einem Massaker unter den Tutsis beantworteten. Zur gleichen Zeit flohen aus Burundi Tausende unterdrückte Hutu nach Ruanda.
Die Bevölkerung wuchs unter dem wirtschaftlichen Aufschwung sehr schnell. Die wichtigsten Problem des Landes waren aber auch der rasch wachsende und zunehmend verarmenden Bevölkerung sowie die begrenzte landwirtschaftliche Nutzfläche. Die Armut der Bevölkerung stieg drastisch als Ende der 80. Jahre der Weltmarktpreis für Kaffee und Tee sank. Dies wurde durch die weiter sinkende Landwirtschaftliche Nutzfläche stark verschärft.
Die über die Jahre geflohene Tutsi (Altflüchtlingen) forderten immer wieder die Rückkehr nach Ruanda, welche immer wieder mit der Überbevölkerung Ruandas abgelehnt worden war. So fielen Tutsi gewaltsam aus Uganda in Ruanda ein um die Rückkehr aller Exilanten nach Ruanda zu erzwingen. Ruanda hatte zu dieser Zeit eine Bevölkerung von ca. 8,1 Millionen Einwohnern. Es folgten 3 Jahre blutiger Bürgerkrieg in Ruanda. Aus den Nachbarländern kehrten ca. 700000 Tutsi zurück nach Ruanda.
Nach Beendigung des Krieges blieb die Situation in Ruanda sehr instabil. So dass nach dem Flugzeugabsturz der Präsidenten Ruandas und Burundi 1994 die Situation eskalierte, es kam zu einem erneuten Völkermord. Es war die Rache der Hutu für den Absturz. So kamen innerhalb 100 Tagen 800000 Tutsi und oppositionelle Hutus ums Leben.
Man schätzt die Anzahl der Toten, die im Bürgerkrieg ums Leben kamen, auf 2 Millionen.
Nach dem Bürgerkrieg kam es zu einer Massenflucht von 2 Millionen Hutu in die Nachbarstaaten, da die Tutsi Kigali zurück erobert hatten. Rund 3,8 Millionen Ruander, etwa die Hälfte der Gesamtbevölkerung, war auf der Flucht ins Ausland oder wurde innerhalb des Landes vertrieben. Zu den 1,8 Millionen Binnenflüchtlingen kamen nunmehr noch mehrere Hunderttausende rückkehrwillige Tutsi-Altflüchtlinge. Die meisten Flüchtlinge sind mittlerweile zurückgekehrt. Noch etwa 200000 Hutu befinden sich in Ost-Zaire auf der Flucht.
Diese Flucht verdeutlicht Karte 1.
Ruanda hat heute etwa 8,83 Millionen Einwohner. Davon sind ca. 90% Hutu, 9 % Tutsi und 1% Twa. Die Bevölkerungsdichte liegt bei 337 Einwohner pro Quadratkilometer somit ist Ruanda eines der am dichtesten besiedelten Länder Afrikas. Bezieht man die Bevölkerungszahl aber nur auf die Landwirtschaftliche Nutzfläche so ist die Bevölkerungsdichte deutlich höher und liegt zwischen 400 und 500 Einwohner pro Quadratkilometer.
Die Geburtenrate liegt bei 39,1 je 1000 (Weltdurchschnitt 25,0 ) und die Todesrate bei 18,0 je 1000 (Weltdurchschnitt 9,3 ). Und letztendlich liegt die Säuglingssterblichkeit bei 110 je 1000 Einwohner. Demzufolge hat Ruanda ein Bevölkerungswachstum, dieses liegt jährlich bei etwa 4 %.
Diese Rasche Bevölkerungsexplosion nimmt mittlerweile beängstigende Ausmaße an. Wie die meisten Entwicklungsländer hat auch Ruanda eine Bevölkerung mit einem hohen Anteil an junger Menschen. Der Altersaufbau zeigt, dass 50% der Bevölkerung unter 15 Jahre alt sind. Nimmt man die bis zu 25-jährigen Personen hinzu, so entfällt auf die Altersgruppe von 0 bis 25 Jahre knapp 70% der Gesamtbevölkerung. Diese Altersstruktur verschärft das Problem der Bereitstellung ausreichender Ausbildungs- und Arbeitsplätze. Dies lässt sich erklären, da eine ruandische Frau 8 Kinder im Durchschnitt bekommt, welche auch eine wichtige wirtschaftliche Bedeutung für die Familie hat. Sie sind unerlässliche Arbeitskräfte im Haushalt und in der Landwirtschaft.
Denn 94% der Gesamtbevölkerung lebt auf dem Land in Einzelgehöften. Die restlichen 6% der Bevölkerung leben in der Stadt. Ferner leben 90% der Bevölkerung von der Landwirtschaft.
Aber durch die steigenden Bevölkerung im Gegensatz der begrenzten Nutzflächen der Landwirtschaft fehlt es Ruanda an der Bereitstellung von Nahrungsmitteln. Somit herrscht noch größere Armut durch Hunger und Unterernährung (vgl. Diagramm 1).
Ruanda ist ein tropisches Agrarland. Ruanda ist weiter arm an Rohstoffen und besitzt eine unterentwickelte Infrastruktur. Die Chancen, den Bevölkerungsdruck in anderen Bereichen wirtschaftlicher Entwicklung umzulagern, ein hoffnungsloses unterfangen. Der bisherige Bevölkerungsdruck musste folglich immer in der ackerbäuerlichen Subsistenzwirtschaft aufgefangen.
Dem zu folge wurden die letzten Landreserven aufgebraucht. Die Tropischen Regenwälder sind bis auf kleine Restbestände vernichtet.
Auch auf Grund des Bevölkerungswachstum nimm die Zahl der Betriebe landwirtschaftlicher Art auf Kosten der Betriebsgröße stark zu. Hier für ist auch das geltende Erbrecht mit verantwortlich. Die Nutzflächen werden total unübersichtlich zerstückelt. Aber hinzu kommt auch noch das die Fruchtbarkeit der tropischen Regenwälder nicht sonderlich gut ist und eine erforderliche Übernutzung der Bevölkerung führt schnell zu einem Kollaps.
In Folge von Bürgerkrieg und Flucht gibt es in Ruanda auch sehr viele Straßenkinder sowie Witwen und Waisen. Gründe für die hohe Zahl der Straßenkinder sind: Extreme Armut, von ihren Ehemännern verlassenen Frauen, Prostitution der Mutter, Alkoholismus der Eltern, Misshandlung der Kinder sowie Tod der Eltern (Aids/Bürgerkrieg). Diese Kinder wurden führen von Großfamilien integriert, heute ist dies allerdings nicht mehr möglich, da die Verwandten oder Nachbarn diese Kinder nicht mehr durchfüttern können, weil sie ihre eigenen Kinder nicht einmal mehr satt kriegen. Das Leben der Straßenkinder ist besonders hart, betteln, stehlen oder arbeiten stehen bei den Kindern (4 bis 16 ) auf der Tagesordnung, um in irgendeiner weise zu überleben. Folglich steigt die Kriminalität in Ruanda bei Kindern stark an.
Die Witwen haben es aber kein bisschen besser. Ohne Schulabschluss stehen viele vor dem Nichts außerhalb der Landwirtschaft.
Folgen:
Verarmung der Bevölkerung
Notleiden auf Grund von Unterernährung und Hunger.
Keinerlei Auswege sich selbst zu helfen
Verelendung der Bevölkerung
Verbreitung von Krankheiten
Unermessliches Leid

Karte 1

Diagramm 1
Quellen:
-Alltag in Ruanda PZ-Information 6/97
-Ruanda Begleitpublikation zur gleichnamigen Wanderaustellung des Landesmuseums
Koblenz
-Partnerschaft Rheinland-Pfalz / Ruanda 20 Jahre
-Encarta Enzyklopädie 99
-CD Go for Ruanda Partnerschaft macht Schule
Karte 1: Alltag in Ruanda PZ-Information 6/97
Diagramm 1: Ruanda Begleitpublikation zur gleichnamigen Wanderaustellung des Landesmuseums Koblenz