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 Pressemeldung Stefan-George-Gymnasium / 29. Februar 2016

 

„Wir wollen doch keine Orgien feiern, George“

Wiederaufnahme von „Einfach SIMPLE“ - Theater-AG des Stefan-George-Gymnasiums am 14.-16. März 2016

Wie redet man eigentlich mit und über Behinderte? Vor allem, wenn sie schon erwachsen sind, sich aber wie ein kleines Kind verhalten? Und es hervorragend verstehen, Sätze nachzuahmen und fast richtig zu platzieren? Und wie mache ich mich in Sachen Liebe nicht zum völlig stammelnden Idioten („oh, oh, böses Wort“)?

Das beantwortet die Theater-AG „ohren-kopf-und-kragen“ des Stefan-George-Gymnasiums mit ihrer Bühnenfassung des Romans „Simple“ von Marie-Aude Murail. Das Stück hatte im Oktober Premiere und wird auf Grund der hohen Nachfrage kurz vor den Osterferien wiederaufgenommen. „Hut ab vor unseren Akteuren aus der Jahrgangsstufe 13, die dann taufrisch ihr Abiturzeugnis in der Tasche haben werden und nicht nur gelernt, sondern auch an zwei Wochenendtagen geprobt haben, mehr braucht’s dann doch nicht, denn die Truppe ist gut aufeinander eingespielt“, mein Sibylle Brandl, die in bewährter Weise zusammen mit Rita Benter die Inszenierung stemmt.

Der Erfolg des Romans „Simple“ und auch der eigenen Theaterfassung der AG liegt in der feinen Ausgestaltung der Charaktere rund um Barnabé, der sich ‚Simple’ nennt. Das kommt nicht von ungefähr: Barnabé ist 21 Jahre alt, hat aber das Gemüt und Wesen eines 5jährigen, denn er ist geistig behindert. „Unsere Spieler waren ziemlich angetan von der Geschichte, hatten aber mächtig Respekt davor, einen Menschen mit geistiger Behinderung zu spielen.  Wie sich dem nähern, ohne albern oder anmaßend zu sein?“ Und dann die Aufgabe, einen Roman so in ein Bühnenstück umzuwandeln, dass ein spielbarer Bogen entsteht. „Hier bauen wir auf die Fähigkeiten der Gruppe im Improvisationstraining, das neben dem Roman die Pfeiler für unsere Produktion ist“, erläutert Rita Benter, die Dramaturgie in Prag studiert hat. Dies bildete dann die Grundlage, um ein Script zu erstellen, das den roten Faden bildet, aber noch genügend Raum zur Improvisation in der Aufführung und damit viel Spielfreude bietet - eine Stärke der Gruppe, die schon mehrfach für ihre Produktionen ausgezeichnet wurde.

„Das Tolle an der Geschichte von Marie-Aude Murail ist, dass sich jede Figur entwickelt und eine Position zu Simple - aber auch zu sich selbst und den Wünschen und Träumen und ihrem Erwachsenwerden finden muss“, umschreibt Brandl die Wahl des Stücks. Der Beginn ist allerdings traurig: Die Brüder Colbert (17 Jahre) und Barnabé (21) haben die Mutter verloren, der Vater geht eine neue Beziehung ein, ein Baby ist unterwegs, da ist kein Platz für einen geistig Behinderten und einen fast erwachsenen Bruder. Colbert beschließt gegen den Rat des Vaters mit Simple nach Paris zu einer Großtante zu gehen, damit sein Bruder nicht in die verhasste Anstalt Malicroix muss. Doch das geht schief - die Tante und Simple kommen nicht miteinander aus. So sucht er zu Beginn des Stücks eine Wohnung und landet in einer WG, die froh ist, zwei Dumme für die hässlichen Zimmer gefunden zu haben. Für Colbert und Simple jedoch das Paradies. Wie im Garten Eden allerdings auch bleibt nicht alles paradiesisch und weder Colbert noch die WG ahnen, vor welche Herausforderungen sie sich in ihrer Naivität stellen.  Allein die Frage mit der Betreuung. „Läuft“, meint jedoch Simples Stoffhase Monsieur HaseHase, der ein Eigenleben führt und Simple zu allerlei anstiftet.  Alles kommt in Schieflage und in Bewegung, als Mitbewohner Enzo seine Gefühle offenbart, das Ehepaar Gottlieb, Gegner der WG, etwas Wichtiges finden und Simple wieder nach Malicroix soll.

Simple im März 2016

Fotos: Marius Bast

 

Aufführungstermine:

Montag, 14. März 2016

Dienstag, 15. März 2016

Mittwoch, 16. März 2016

jeweils 19.30 Uhr im Raum N3 - N-Trakt des SGG-Bingen

 

Karten: 5 € (Schüler, Azubis, Stud.) - 10 € regulär

Der Kartenvorverkauf startet am Mittwoch, 2. März, in den großen Pausen des SGG (nicht am 7.+8. März wg. Abitur).

Öffnung der Abendkasse: 19 Uhr

Keine Reservierungen!

 

Info: www.sgg-bingen.de

 

Rezension zu „Einfach SIMPLE“

von Lilith Günther und Johanna Schmid

 

 

Theater ist etwas Lebendiges. Jede Vorstellung ist einzigartig, eine andere als die Vorige.  „Einfach 'Simple'“ - das neue Theaterstück der Theater-AG „ohren-kopf-und-kragen“ des SGG-Bingen -  bewies dies anschaulich. Und ausverkaufte Vorstellungen sprechen eine klare Sprache.

 

Nach mehreren Monaten Vorbereitung, einigen Rollenwechseln und mehreren durchprobten Wochenenden stand das neue Stück der international prämierten Theatergruppe, deren Spieler aus den Jahrgagsstufen 9-13 des SGG kommen: Eine Adaption des französischen Jugendromans „Simple“ von Marie-Aude Murail. Dafür erhielt „ohren-kopf-und-kragen“ exklusiv die Bühnenrechte aus Frankreich.

 

Die Geschichte ist an sich sehr simpel, und doch emotional höchst komplex: Der siebzehnjährige Colbert, facettenreich gespielt von Markus Zobel, versucht seinen älteren, jedoch geistig behinderten Bruder Barnabé, genannt Simpel ( feinfühlig porträtiert von Nick Stein), vor der Anstalt zu bewahren, in die ihn der entfremdete Vater stecken will. So zieht er mit ihm in eine Studenten-WG in Paris.

 

Die Beziehung der beiden Brüder zueinander, aber auch der WG- Bewohner untereinander, zu den Nachbarn und auch zu Simple werden in realistischer und abwechslungsreicher Art und Weise dargestellt. Dabei galt es während der Entwicklung des Stückes einige essentielle Fragen zu klären:  Wie inszeniert man ein Stück über einen Behinderten respektvoll, wenn man selbst nicht behindert ist? Wie weit darf man im Namen der Komik und der Stilisierung gehen, ohne eine Geschichte zu verdummen? Wie stellt man das Thema der Inklusion als wichtig dar, ohne die damit verbundenen Schwierigkeiten zu verniedlichen und zum Moralprediger zu werden? Sowohl der Roman als auch das Stück maßen sich nicht an, auf all diese Fragen definitive Antworten zu finden, aber besinnen sich durch eine liebevolle Darstellung seiner Charaktere immer wieder auf deren Menschlichkeit, ohne sich dabei selbst zu ernst zunehmen.

Dies wäre ohne die exzellenten schauspielerischen Leistungen der Darsteller unmöglich gewesen. Jede Rolle präsentiert sich abgerundet und mit Tiefgang. Damit gelingt es dem Ensemble ein Gefühl von Gesamtheit über das gesamte Stück hinweg zu halten. Den Hauptdarstellern Markus Zobel und Nick Stein nimmt man das Brüderpaar jede Minute ab. Und wenn die beiden 1,90m-Kerls über die Bühne rennen, weil Simple mal wieder weit ausholend Chaos verbreitet und gebändigt werden muss, wird klar, dass die Betreuung eines behinderten Erwachsenen mentale und körperliche Kraft bedeutet.  „Selbstverständlich“ wird das Chaos nie von Simple selbst, sondern von seinem Stoffhasen Monsieur HaseHase verursacht, den Veronika Rathay durch ihre/seine Unberechenbarkeit immer wieder neu belebt, Nutella und Playmobilfiguren machen vor nichts halt.

Dem Trio steht die „Welt“ gegenüber:  WG, Hausbewohner und Mitschülerinnen, die sich mehr oder weniger politisch korrekt über Behinderte äußern. So übernehmen WG-Bewohner Emmanuel (Moritz Krauß) – stets unterhaltsam unsympathisch – und Beatrice (Johanna Schmid), die zwar Colbert, nicht aber den „sabbernden Irren“ in ihrer Nähe haben möchte, den Part der Inklusionsgegner.  Corentin hingegen, in dessen Rolle Robin Haug clownesk brilliert – er ist der im Sitzsack fast eingepflanzte Taugenichts der WG,  als auch seine Schwester Aria (Julia Mach) stellen sich Simpel und ihren Ängsten vor geistig Behinderten. Sie ist das einzige Mädchen in der WG und zu ihren Leidwesen Objekt der Liebe Mitbewohner Nummer vier, Corentins bestem Freund Enzo (Tim Graßmann). Dieser übernimmt zunächst widerwillig, dann aber immer überzeugter die Rolle der Nanny und schlittert von einem Chaos ins nächste. Dafür ist aber nicht immer Simple zuständig, sondern auch seine unerwiderte Liebe zu Aria. Es ist diese unerwiderte Liebe, die ihn schließlich auf das Sofa und in die Gunst der Beziehungsberatung des nachbarlichen, etwas schrägen Ehepaars Gottlieb (Felix Benter und Lilith Günther) treibt – diese drei sorgen mit bierernster Miene für die komischsten Momente des Stücks.

Auch Colbert hat mit seinen Hormonen zu kämpfen, zwischen der attraktiven, doch oberflächlichen Beatrice und der schüchternen, doch hilfsbereiten Zahra (Eleonora Gromov), die von ihren Schwestern Djamilah (Melody Mahl) und Amira (Emily Krauß) tatkräftig unterstützt wird.

Die fast kafkaesk erscheinenden Atmosphäre der Anstalt von „Malicroix“ - Simples Trauma – leitet

bedrückend das Stück ein und verlässt dieses nie ganz. Die Insassen( Johanna Schmid, Melody Mahl, Eleonora Gromov, Emily Krauß, Markus Gaskin, Cem Yöndem), die vom autoritären Aufseher (Jakob Feulner) unterdrückt werden, sorgen mit ihrer Performance dafür, dass Simpels Angst dem Zuschauer verständlich wird.

Auch ein äußerst beeindruckendes Bühnenbild hilft dem Stück, seine Geschichte überzeugend zu erzählen.

Fünf weiße Sofas sorgen in unterschiedlicher Verwendung wahlweise für die Anstalt, die WG-“Zimmer“ und die Stadt.

„Simpel“ bewegt sich weniger im Bereich der Metaphern und Traumebenen als sein Vorgänger „Leonce und Lena“, ist ein modernes und unterhaltsames Stück, dass nicht zuletzt vom Talent seiner Schauspieler, ihrer Spielfreude und der Interaktion einer gut eingespielten Truppe mit ihren Regisseurinnen Sibylle Brandl und Rita Benter lebt. Humor, Tiefgang, Spielfreude, und ein schwieriges Thema meisterhaft präsentiert – mehr kann man sich von einem Theaterabend, der so manchen an Profibühnen übertrifft,  nicht erwarten.

 

Eine Wiederaufnahme gibt es im März 2016 – kurz vor den Osterferien, direkt nach dem Abitur.

Mo / Di / Mi 14./15./16. März im SGG-Bingen.

 

 

 

Pressemeldung Stefan-George-Gymnasium / 14. September 2015

 

Fotos: Marius Luca Bast

 

Neue Produktion der Theater-AG „ohren-kopf-und-kragen“ steht in den Startlöchern.

 

Premiere von „Einfach ‚Simple’“ nach M.-A. Murail am 10. Oktober 2015 in Bingen

 

Nach der Show ist vor der Show. Als die Theater-AG im März den internationalen Jugendtheaterpreis PAPAGENO-AWARD für „Leonce und Lena“in der Sparte „Beste Produktion“und „Bester Hauptdarsteller“erhielt, liefen schon längst die Proben für das neue Stück. Nun ist es soweit - die Premiere von Einfach‚Simple’“steht vor der Tür. Sibylle Brandl und Rita Benter - die schon die letzte Spielzeit miteinander stemmten - bringen zusammen mit rund 20 Jugendlichen der Jahrgangsstufen 9-13 eine eigene Bühnenfassung des französischen Jugendromans „Simpel“ von Marie-Aude Murail auf die Bühne und haben dafür exklusiv die Rechte aus Frankreich erhalten. Er gehört inzwischen fest zum Kanon im Französischunterricht - es wird also spannend,  was „ohren-kopf-und-kragen“ daraus macht.

 

Der Erfolg des Romans liegt in der feinen Ausgestaltung der Charaktere rund um Barnabé, der sich ‚Simple’ nennt. Das kommt nicht von ungefähr: Barnabé ist 21 Jahre alt, hat aber das Gemüt und Wesen eines 5jährigen, denn er ist geistig behindert. „Unsere Spieler waren ziemlich angetan von der Geschichte, hatten aber mächtig Respekt davor, einen Menschen mit geistiger Behinderung zu spielen.  Wie sich dem nähern, ohne albern oder anmaßend zu sein?“ Und dann die Aufgabe, einen Roman so in ein Bühnenstück umzuwandeln, dass ein spielbarer Bogen entsteht. „Hier bauen wir auf die Fähigkeiten der Gruppe im Improvisationstraining“, erläutert Rita Benter, die Dramaturgie in Prag studiert hat. In Gruppen wurden Szenen gemeinsam gelesen und dann in die Tat und Handlung umgesetzt, Feedback gegeben, was gefiel und was nicht, wo die Schwierigkeiten und Stärken der einzelnen Spieler und der Story lagen und dann zum Abschluss die daraus entstandene Szene gefilmt. Dies bildete dann die Grundlage, um ein Script zu erstellen, das den roten Faden bildet, aber noch genügend Raum zur Improvisation in der Aufführung und damit viel Spielfreude bietet - eine Stärke der Gruppe.

 

In Gruppen wurden Szenen gemeinsam gelesen und dann in die Tat und Handlung umgesetzt. Es wurde Feedback darüber gegeben, was gefiel und was nicht, wo die Schwierigkeiten und Stärken der einzelnen Spieler und der Story lagen und dann zum Abschluss die daraus entstandene Szene gefilmt. Dies war dann die Grundlage für ein Textbuch, das den roten Faden bildet, aber noch genügend Raum zur Improvisation in der Aufführung und damit viel Spielfreude bietet - eine Stärke der Gruppe.

 

„Das Tolle an der Geschichte von Marie-Aude Murail ist, dass sich jede Figur entwickelt und eine Position zu Simple - aber auch zu sich selbst, den Wünschen und Träumen und ihrem Erwachsenwerden finden muss“, umschreibt Sibylle Brandl die Wahl des Stücks. Der Beginn ist allerdings traurig: Die Brüder Colbert (17 Jahre) und Barnabé (21) haben die Mutter verloren, der Vater geht eine neue Beziehung ein, ein Baby ist unterwegs, da ist kein Platz für einen geistig Behinderten und einen fast erwachsenen Bruder. Colbert beschließt gegen den Rat des Vaters mit Simple nach Paris zu einer Großtante zu ziehen, damit sein Bruder nicht in die verhasste Anstalt Malicroix muss. Doch das geht schief - die Tante und Simple kommen nicht miteinander aus. So sucht er zu Beginn des Stücks eine Wohnung und landet in einer WG, die froh ist, zwei Dumme für die hässlichen Zimmer gefunden zu haben. Für Colbert und Simple jedoch das Paradies. Wie im Garten Eden allerdings auch bleibt nicht alles paradiesisch und wederColbert noch die WG ahnen, vor welche Herausforderungen sie sich in ihrer Naivität stellen. Allein die Frage mit der Betreuung. „Läuft“, meint jedoch Simples Stoffhase Monsieur HaseHase, der ein Eigenleben führt und Simple zu allerlei anstiftet. Alles kommt in Schieflage und in Bewegung, als Mitbewohner Enzo seine Gefühle offenbart, das Ehepaar Gottlieb, Gegner der WG, etwas Wichtiges finden und Simple wieder nach Malicroix soll.

 

Aufführungstermine:

Samstag 10. Oktober

Sonntag 11. Oktober

Mittwoch 14. Oktober

Donnerstag 15. Oktober

jeweils 19.30 Uhr im Raum N3 - N-Trakt des SGG-Bingen

 

Karten: 5 € (Schüler, Azubis, Stud.) - 10 € regulär

Der Kartenvorverkauf startet am Montag, 5. Oktober, in den großen Pausen des SGG.

Öffnung der Abendkasse: 19 Uhr

Keine Reservierungen!

Info: www.sgg-bingen.de

 

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