News-Value(s) - Zwischen Krieg, Terror und NSA–Skandal

 
Stellvertretender Chefredakteur des ZDF, Elmar Theveßen, zu Gast beim "SGG-Forum" am Stefan-George-Gymnasium.
 
Passender hätte der Termin für ein SGG- Forum nicht gewählt werden können: Ausgerechnet am 12. Jahrestag der Anschläge vom 11. September eröffnete der Lehrer Prof. Dr. Volker Wilhelmi nach der Begrüßung durch die Schulleiterin den Vortrag des Journalisten und ,,Terrorismusexperten" Elmar Theveßen für die Schüler der Jahrgangsstufe 13 des SGG. Elmar Theveßen, 1967 in Vierßen geboren, stellte sich als Stellvertretender Chefredakteur des ZDF und ,,Leiter des Aktuellen" vor, zudem unter anderem die Nachrichten-Sendungen ,,Heute" und ,,Heute-Journal" des ZDF zählen.
 
Das Prädikat ,,Terrorismusexperte" erhielt er nach seiner sechsjährigen Tätigkeit als Auslandskorrespondent im ZDF-Studio in Washington, da er sich in dieser Zeit intensiv mit den Anschlägen von Oklahoma und Nairobi beschäftigte. Seine Grundlagen dafür legte Elmar Theveßen während seines Studiums an der Universität Bonn, da er seine Magister-Arbeit über die ,,Plutonium-Affäre" ablegte. ,,Ich muss mich jeden Tag mindestens zwei Stunden mit dem Thema Terrorismus beschäftigen, um nach einem Anschlag immer informiert zu sein", erklärte Theveßen den interessierten Schülern. Im Rahmen des Vortrages zeigte der Gast den Zuhörern, wie sich im Laufe der Zeit Sendeeinrichtungen verkleinert und verbessert haben. Mittlerweile könne man sogar mit einem Rucksack und einer Kamera live auf Sendung gehen oder sogar mit dem eigenen Smartphone via einer APP Clips ins World Wide Web uploaden. Gleichzeitig wies Elmar Thevesen darauf hin, dass es dadurch schwierig sei, Quellen zu verifizieren, da z.B. zum Syrien-Konflikt unendlich viele Videos existieren und es sehr gefährlich sei, eigene Journalisten Vorort recherchieren zu lassen. Laut der Sendeverordnung müssen auch immer zwei bestätigte Quellen vorliegen, um einen Inhalt senden zu dürfen. Theveßen warf die unglaubliche Zahl in den Raum, dass 80 % aller Inhalte auf Facebook und Twitter zu Ereignissen falsch wären. Elmar Theveßen verdeutlichte eine weitere Schwierigkeit an den Terror-Anschlägen von Boston: ,,Viele Bilder und Videos, die im Internet existieren, können wir nicht senden, da sie die Menschenwürde verletzen und/ oder Gefühle von Zorn und Wut in den Zuschauern wecken".
Ein weiterer wichtiger Gesprächspunkt war der NSA-Skandal. Theveßen räumte ein, dass er auch mit Geheimdiensten und Behörden zusammenarbeite, um immer genau informiert zu sein. Gleichzeitig erklärte er, dass dabei immer ein gesundes Misstrauen vorhanden sei und z. B. unter anderem auch das ZDF fünf Monate vor Bekanntwerden der Anschlagspläne der Sauerland-Bomber informiert war und das Wissen nicht sendete, um Leib und Leben der Zivilbevölkerung nicht zu gefährden, da die Polizei-Aktion hätte schief gehen können. Außerdem erläuterte Elmar Theveßen, wozu das Ausspäh-Programm ,,Prism" der NSA diene. Besorgt teilte der Referent den Schülern mit, dass die NSA auf jedes Smartphone der Welt zugreifen könne und dabei wichtige persönliche und berufliche Informationen abhören kann. Diese Informationen könnten auch bei einem ,,Cyber-War" benutzt werden. Zudem könne sich jeder IT-Spezialist in Systeme einloggen, um so z.B. Kraftwerke außer Kontrolle zu bringen oder andere Szenarien zu bewirken.
Nach diesem interessanten und spannenden Vortrag stellten die angehenden Abiturienten  zahlreiche und präzise Fragen. Besonders der NSA-Skandal warf Fragen zur Glaubwürdigkeit von Edward Snowden auf. Viele  SGG-Schüler äußerten sich durchaus positiv zum Referenten und der Thematik:
 
,,Ich muss sagen er war deutlich besser, als ich gedacht habe. Der Vortrag war informativ dadurch, dass er aktuelle Probleme angesprochen hat. Herr Theveßen hat das Thema verständlich gemacht und es war angenehm ihm zu zuhören."           (Johannes Axt, Jahrgansstufe 13)
 
,,Elmar Theveßen, der, wie ich finde sehr aufgeschlossen ist, hat sehr kompetent geschildert, wie Berichte über Terror und Anschläge gehandhabt werden, oder werden sollten. Gut fand ich, dass er dabei auch Gesetze zitiert hat. Über die NSA hätte er eventuell noch etwas mehr sagen können."          (Lukas Reinhard, Jahrgansstufe 13)
 
Frau Seipel und Herr Professor Doktor Volker Wilhelmi, Initiator und Moderator der  Veranstaltung , bedankten sich bei Elmar Theveßen für seine Zeit und den tollen, interaktiven Vortrag mit den Schülern und überreichten ihm ein originelles Buch über den ehemaligen SGG-Lehrer Jakob Schmitt und eine CD-Rom  der SGG- Schulband "Losin Grove". Der Gast trug sich in das Gästebuch der Schule ein und wurde von den Schülern mit herzlichem Applaus verabschiedet.
 
Florian Köhn
 
 
Allgemein
 
„Man darf“, schrieb vor langer Zeit einmal Thomas Jefferson, einer der Gründerväter der Amerikanischen Demokratie, „nichts glauben, was in den Zeitungen steht. Der Mann, der niemals in Zeitungen schaut, ist besser informiert, als der, der sie liest. Denn
der, der nichts weiß, ist näher an der Wahrheit, als der, dessen Geist angefüllt ist mit Falschheiten und Fehlern.“
 
Eine ziemlich gemeine These, die Journalisten gern reflexhaft zurückweisen. Aber angesichts der Ereignisse rund um den Terroranschlag von Boston wäre das voreilig. Das Interesse der Menschen weltweit war riesig, genau wie – leider auch – das Maß an Falschmeldungen und unseriöser Berichterstattung. Gerade, wenn es um Terrorismus geht, ist die Einhaltung ethischer, journalistischer und rechtlicher Prinzipien unverzichtbar, da Terror in erster Linie darauf ausgerichtet ist, größtmöglichen psychischen Druck zu erzeugen.
 
Mit schrecklichen Bildern gelingt das besonders gut. „News-Value(s) - Zwischen Krieg, Terror und NSA–Skandal“ beschäftigt sich mit der zunehmende Erregungs- und Prangerkultur unserer Gesellschaft. Auch die sogenannten Qualitätsmedien lassen sich zu häufig mitreißen. Der Anschein von Journalismus wird erweckt durch schrille und vermeintliche Exklusiv-Schlagzeilen, unkritische Twittersturmverfilmungen und manchmal sogar Verletzungen der Menschenwürde unter dem Deckmantel des Aufklärungsjournalismus.
 
ZDF
Elmar Theveßen
Stellvertretender Chefredakteur
 
 
HR Aktuelles Leitung
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Deutschland
 
 
Erstes Feedback:
 
Nach einem herausragenden SGG-Forum mit Elmar Thevessen (ZDF) und einer sehr aufmerksamen und konzentrierten Jahrgangsstufe 13 schrieb unser Referent treffend und pointiert in das SGG-Gästebuch:

"Wer für ein Stück Sicherheit Freiheiten aufgibt,
der verdient keines von beiden."

F.D. Roosevelt
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