Geschichte des SGGs

 

Das Stefan-George-Gymnasium mit Latein und Englisch als 1. Fremdsprache feierte am 1. Februar 1989 sein 150-jähriges Bestehen.

Diese Feier bezog sich auf die Eröffnung der Herzoglichen Realschule Bingen am 27. Februar 1839. Der Unterricht wurde damals mit 22 Schülern aufgenommen, zu denen im Laufe des ersten Jahres noch 30 weitere Schüler hinzukamen. Sie wurden in zwei Folgeklassen unterrichtet. Das Stefan-George-Gymnasium, das eine der Nachfolgeschulen dieser Gründung ist, begann das Schuljahr 1995/96 mit 988 Schülerinnen und Schülern in fünf Einstiegsklassen. Das Schuljahr 2008/09 begann mit 1360 Schülerinnen und Schülern und sieben Einstiegsklassen.

Die Binger Gymnasialtradition reicht über dieses Gründungsdatum hinaus zurück bis ins Jahr 1006. Damals gründete Erzbischof Willigis aus Mainz das Binger Martinsstift und gliederte ihm eine Stiftschule an. Über 600 Jahre wurden an dieser Schule die Fächer unterrichtet, die der Vorbereitung zum Priesterberuf dienten, insbesondere Latein.

Nach dem Niedergang des Stiftes in der Mitte des 17. Jahrhunderts -die Reformation trug sicher dazu bei- kam es am 4. November 1655 durch den neuen Stadtpfarrer an der Binger Basilika, Bartholomäus Holzhauser, zur Neugründung einer zunächst dreiklassigen Lateinschule, die auf fünf Klassen erweitert wurde. Sie diente, der geschichtlichen Entwicklung folgend, neben der Vorbereitung auf Priesterberufe auch der Heranbildung von staatlichen Beamten und trug dem Bildungsbedürfnis der höheren Stände Rechnung.

Es wird berichtet, dass das Ansehen dieser Lateinschule so groß war, dass ihre Absolventen ohne eine weitere Zulassungsprüfung an der Mainzer Universität zugelassen wurden. "Bingiensis est - sufficit". Er ist Binger- das genügt, ist als Immatrikulationsformel überliefert.

In der Napoleonischen Zeit wurde diese Schule in ein Collège mit Latein und Französisch als Fremdsprachen umgewandelt, das jedoch nicht lange bestand. 1836 wandten sich daher 300 Binger Bürger an den damaligen Binger Landesherrn, den Herzog von Darmstadt. Sie beantragten, der bestehenden Elementarschule eine Realschule anzugliedern, die den Anforderungen des praktischen Lebens und der Naturwissenschaften gerecht werden sollte. Besonders dem Gewerbe- und Handelsstand sollte nach dem Willen der Antragssteller die geeignete Bildung vermittelt werden.

Nach langem und schweren Auseinandersetzungen wurde am 27. Februar 1839 durch die Hessische Oberschulbehörde eine selbstständige Anstalt eröffnet, deren Leiter der Binger Pfarrer Arzberger war.

Aus den zwei Folgeklassen des ersten Schuljahres wurden in der Folgezeit sechs, in denen neben den damals modernen Fächern, den Naturwissenschaften, auch wieder Latein und- alles scheint sich zu wiederholen- nach oft jahrelanger Unterbrechung immer wieder Griechisch unterrichtet wurde (1841; 1853-1859; 1861-1866; 1879-1889).

 

 

1893 wurde das bis dahin einheitliche System differenziert: Neben die Realschule trat ein progymnasialer Zweig, dem 1896 eine Obersekunda (heutige Zählung: 11. Klasse) angegliedert wurde. Im Schuljahr 1888/89 hatte die "Großherzogliche Realschule zu Bingen" 279 Schüler und war noch im "Ämterhaus" untergebracht.

 

Nach nur einjähriger Bauzeit erfolgte im Oktober 1909 der Umzug in das eigene Haus, den Deo- Musis- Patriae geweihten Neubau des Gymnasiums an der Schlossbergstraße, unseren Altbau. Er beeindruckt durch seine imposante Gliederung und solide Bauweise noch heute. Seit 1921 bestanden in diesem Haus ein Vollzeitgymnasium und eine bis zur 11. Klasse führende Realschule. Das erste Abitur wurde im März 1922 abgelegt.

Die Zeit der NS-Herrschaft brachte im Zuge der Gleichschaltung des gesamten Schulwesens im Frühjahr 1937 die Umwandlung des humanistischen Gymnasiums mit Realschule in eine 8-klassige Oberschule für Jungen. Auch in ihr lernte man nach Englisch als erster Pflichtfremdsprache als zweite Pflichtfremdsprache Latein. Ab der 6. Klasse (heute Klasse 9) bestand die Trennung in einen sprachlichen Zweig mit Französisch als dritte Fremdsprache und in einen mathematsich-naturwissenschaftlichen Zweig. Die Schülerzahl lag um 300.

Als nach Kriegsende das Schulwesen neu geordnet wurde, konnte im Sommer 1945 durch den Einsatz des ersten Schulleiters der Nachkriegszeit, Dr. Lotz (anschließend erster Kultusminister des Landes Rheinland-Pfalz) und seines Nachfolgers, Dr. Hahn, die alte Lateinschultradition wieder aufgenommen werden. Es kam zur Bildung eines Gymnasiums mit einem altsprachlichen und einem mathematisch-naturwissenschaftlichen Zweig. So wurde für den gesamten Binger Raum die Möglichkeit einer humanistischen Bildung erhalten.

Seit 1945 trägt unser Gymnasium den Namen des Dichters Stefan George, der 1868 in Bingen-Büdesheim geboren wurde und das Progymnasium von 1876-1882 besucht hatte, bevor er am Ludwig-Georgs-Gymnasium in Darmstadt seine Gymnasialbildung abschloss.

 

Seit der Nachkriegszeit besuchen auch Mädchen das Stefan-George-Gymnasium. Im Schuljahr 1948/49 waren es fünf, doch nahm die Zahl in den folgenden Jahren stetig zu.

Nach Beseitigung der Kriegsschäden kam infolge der wachsenden Schülerzahlen bald die Raumnot. Ab 1964 waren drei Oberstufenklassen mehrere Jahre hindurch in der inzwischen neu erbauten Hauptschule Bingen untergebracht. 1967 erstellte der Schulträger auf dem Gelände des heutigen Fachklassentraktes vier Schulpavillons für je zwei Klassen. Erst jetzt führten die dringlichen Eingaben des damaligen Schulleiters, Dr. Robert Wolff (Schulleiter 1963-1985), zum Erfolg. Unter großen Schwierigkeiten entstand der jetzige Schulbau, in dem wir das Schuljahr 1972/73 beginnen konnten.

Im Schuljahr 1975/76 erreichte die Schule vorübergehend ihre höchste Schülerzahl mit 1241 Schülern, für die der neu errichtete Raum kaum ausreichte. Erst im Schuljahr 2007/08 wurde die Zahl wieder übertroffen.

 

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