Pädagogisches Konzept der Mittelstufe – Jahrgangsstufen 7-10
Die Jugendlichen der 7. bis 10. Jahrgangsstufe befinden sich in der Pubertät, einer Phase enormer psychischer und physischer Veränderungen. Ziel der pädagogischen Arbeit in der Mittelstufe ist es, diesen Veränderungen gerecht zu werden und aufbauend auf der Arbeit der Orientierungsstufe sowohl die fachlich-methodischen als auch die personalen und sozialen Kompetenzen unserer Schülerinnen und Schülern zu fördern und so möglichst gut vorbereitete, interessierte und selbständige junge Menschen in die gymnasiale Oberstufe zu führen.
Der Übergang von der Orientierungsstufe in die Mittelstufe
Der Übergang von der Orientierungsstufe in die Mittelstufe fällt den Schülerinnen und Schülern in der Regel deutlich leichter als der von der Grundschule in das Gymnasium. Die Kinder sind inzwischen am SGG angekommen, kennen das Gymnasium und sein Anforderungsprofil sowie die grundlegenden Arbeitsmethoden. Die Fortführung demokratischer Strukturen, wie die des Klassenrates und der Klassenämter, ermöglicht es ihnen, weiterhin ihren schulischen Alltag mitzugestalten und altersgemäß Verantwortung zu übernehmen. Auch die Regeln und Rituale der Schule sind bekannt und vermitteln Struktur und Sicherheit. Verbindungslehrer und Schulsozialarbeit sind den Schülerinnen und Schülern als Vermittler und Helfer in Konfliktsituationen vertraut.
Dennoch stellt die Neueinteilung der meisten Klassen (ausgenommen hiervon ist die Latein Eins Plus Klasse), notwendig geworden durch die unterschiedliche Wahl der zweiten Fremdsprache sowie die Möglichkeit zur Wahl eines Orchesterzuges, die Kinder vor neue Herausforderungen: neue Mitschüler, neue Klassen- und Fachlehrer.
Deshalb wird die Phase des Übergangs an unserer Schule von besonderen Maßnahmen begleitet: Trotz der organisatorischen Vorgaben ist die Stufenleitung bemüht bis zu drei Wunschpartner bei der Klasseneinteilung zu berücksichtigen. Auch in der Mittelstufe werden die Klassen von Klassenleitungsteams betreut, die sich zu Beginn des Schuljahres zu einem Koordinationsgespräch mit der Stufenleitung treffen, bei dem wichtige Informationen weitergegeben werden. Der erste Schultag, die ersten Klassenratsstunden sowie der erste Wandertag mit erlebnispädagogischen Elementen dienen vorwiegend dem gegenseitigen Kennenlernen sowie dem Aufbau und der Förderung einer neuen Klassengemeinschaft. Das Gefühl einer Zusammengehörigkeit als Stufe wird gestärkt durch eine Jahrgangsstufenversammlung im ersten Halbjahr der siebten Klasse.
Die Schwerpunkte unserer Schule in der Mittelstufe
Unsere Schule hat drei Schwerpunkte, um den unterschiedlichen Interessen und Begabungen der Schüler gerecht zu werden und ihnen in den verschiedenen Bereichen zusätzliche Förderung anzubieten.
- Der sprachlich-humanistische Schwerpunkt
Sowohl die Schülerinnen und Schüler, die ab Klasse 5 den Latein-Eins-Plus-Zug belegt haben, als auch die, die ab Klasse 6 Latein als zweite Fremdsprache gewählt haben, erhalten bei mindestens ausreichenden Leistungen am Ende der 10. Klasse das Latinum.
Im Fach Französisch gibt es die Möglichkeit einer zusätzlichen Sprachförderung interessierter Schülerinnen und Schüler durch die Vorbereitung zur Erlangung von Sprachzertifikaten (DELF) auf den verschiedenen Niveaustufen des gemeinsamen europäischen Referenzrahmens.
Zur Vertiefung der sprachlichen und interkulturellen Kompetenz sieht unser Fahrtenkonzept [Link Fahrtenkonzept] die Möglichkeit zum Schüleraustausch mit einer englischen Partnerschule in der 8. Klasse sowie einen Austausch mit einer französischen Schule in der 9. Klasse vor. In der 9. und 10. Jahrgangsstufe können die Schülerinnen und Schüler an einem weiteren kulturellen Austausch in englischer Sprache mit unserer Partnerschule in Israel teilnehmen. Über zusätzliche Möglichkeiten und Programme von Austauschen und Auslandsaufenthalten werden die Schülerinnen und Schüler informiert. Manche Jugendlichen verbringen bereits in Jahrgangsstufe 10 eine längere Zeit im fremdsprachlichen Ausland.
Ab der 9. Klasse können Französisch, Latein oder Altgriechisch als fakultative 3. Fremdsprache gewählt werden. Information und Wahlen zu diesem Angebot finden am Ende der Jahrgangstufe 8 statt.
- Der musische Schwerpunkt
Der musische Bereich ist ein wichtiger Baustein für die Persönlichkeitsentwicklung unserer Schülerinnen und Schüler. Sie lernen sich künstlerisch auszudrücken, sei es mit der eigenen Stimme, mit einem Instrument, bildend oder darstellerisch.
Nach dem Unterstufenchor und dem Instrumentalkreis der Unterstufe können die Schülerinnen und Schüler ab Klasse 7 einen Orchesterzug wählen, bei dem neben dem normalen Musikunterricht das gemeinsame Musizieren im Vordergrund steht und Konzerte vorbereitet werden.
Wie die Klassen der Orientierungsstufe nimmt auch die Mittelstufe bis Klasse 7 am ENTER-Projekt des Staatstheaters Mainz teil, was den Schülerinnen und Schülern die kontinuierliche Begegnung mit verschiedensten Theaterinszenierungen ermöglicht.
Unsere erfolgreiche Theater-AG steht ab Jahrgangsstufe 9 allen Schülerinnen und Schülern des SGG offen, die Spaß am Schauspiel und an einem zuverlässigen und verantwortlichen Miteinander haben und sich ausprobieren möchten.
- Der MINT-Schwerpunkt
Alle Klassen in den Jahrgangsstufen 7 und 8 profitieren vom naturwissenschaftlichen Schwerpunkt unserer Schule. Bei unserem Konzept werden die Klassen in den naturwissenschaftlichen Fächern in einer Doppelstunde geteilt und jeweils nur mit halber Klassengröße unterrichtet. In der zweiten Stunde wechselt dann das Fach, so dass alle Schülerinnen und Schüler der Klasse die gleichen Lerninhalte durchgenommen haben. So kann in kleinen Gruppen intensiver praktisch gearbeitet und experimentiert werden.
Interessierte Schülerinnen und Schüler können zusätzlich ab der 9. Klasse Informatik als fakultatives Fach belegen.
Seit vielen Jahren nehmen Schülerinnen und Schüler unserer Schule, betreut durch Lehrkräfte, sehr erfolgreich an Wettbewerben in den MINT-Fächern teil. Besonders hervorzuheben ist hier der Wettbewerb ‚Jugend forscht‘, bei dem das Stefan-George-Gymnasium seit Jahren die erfolgreichste Schule der Region ist. Einzelheiten zu diesem und weiteren Wettbewerben auch anderer Fächer finden sich bei den jeweiligen Fachbereichen.
Schülerinnen und Schülern, die sich in der Sekundarstufe I über den Unterricht hinaus im MINT-Bereich engagiert haben, wird eine MINT-Zertifikat verliehen.
Weitere fachliche Förderung
Dabei ist es unser Anliegen, den Schülerinnen und Schülern trotz zunehmend komplexeren Fragestellungen eine erfolgreiche Arbeit in der Mittelstufe zu ermöglichen. Neben den vielfältigen Angeboten im Rahmen unserer Schwerpunkte unterstützt das SGG besonders motivierte und begabte Jugendliche mit weiteren Fördermaßnahmen im Sinne einer Begabtenförderung. Das Angebot der Bibliothek, Trainings- und Lesescheine zu erwerben, richtet sich besonders an Schülerinnen und Schüler der Mittelstufe. Auch bei Fragen zu Hausaufgaben, Referaten oder zur Klausurvorbereitung wird in der Bibliothek Unterstützung angeboten. (Einmal in der Woche wird dazu die Bibliothek auch am Nachmittag geöffnet und zu allen Fächern zusätzliches Lernmaterial und Lernhilfen bereitgestellt (Um Voranmeldung zur individuellen Lernhilfe unter bibliothek@sgg-bingen.de wird gebeten.) Sollten Schwierigkeiten auftauchen, suchen wir mittels frühzeitiger pädagogischer Dienstbesprechungen und in Zusammenarbeit mit den Eltern (ggf. unter Einsatz von Förderplänen) nach Lösungswegen. Zusätzlich vermitteln wir auch im Rahmen eines Schülernachhilfeprojektes „Schüler helfen Schülern“ geeignete Oberstufenschüler als Nachhilfelehrer für einzelne Fächer. [Link: Bibliotheken]
Förderung personaler und sozialer Kompetenzen
- Methoden- und Medienkompetenz
Eine systematische, in den Fachunterricht integrierte Vermittlung und Einübung der heute notwendigen Arbeitsmethoden ist Bestandteil unseres schulischen pädagogischen Konzepts. https://www.sgg-bingen.de/methodenarbeit/
Dazu gehört auch die Nutzung moderner digitaler Medien als Arbeitsmittel. https://www.sgg-bingen.de/medienkonzept/
Aber es ist uns auch wichtig, die Kompetenzen zu vermitteln, die von Bildungsforschern als weitere „Qualifikationsziele von morgen“ bezeichnet werden: Lernkompetenzen, Sozialkompetenzen und Wertorientierung.
- Sozialkompetenz, Schüler helfen Schülern
Die Sozialkompetenz unserer Schülerinnen und Schüler des Jahrgangs 7 wird gefördert durch eine fächerübergreifende Unterrichtsreihe zum Thema „Empathie“ der Fächer Religion und Ethik. Im Jahrgang 8 wird dieser Schwerpunkt weitergeführt mit dem Projekt „Soziale Challenges“, bei dem die Schülerinnen und Schüler Verantwortung für andere übernehmen. Unsere Schülerinnen und Schüler der Mittelstufe können sich nach wie vor nicht nur durch Beteiligung im Klassenrat, Übernahme von Klassenämtern und Mitarbeit in der SV für das Schulleben engagieren, sondern auch ab Jahrgangsstufe 9 als Tutoren für die neuen Schüler, als Lerncoaches im Bereich der Ganztagsschule sowie als Medienscouts.
- Klassenfahrt in Jahrgang 8 und Demokratiefahrt in Jahrgang 10
Die fünftägige Klassenfahrt in Klasse 8 unterstützt die Erfahrung der Selbstständigkeit und das Erlernen sozialen und kooperativen Handelns in der Gemeinschaft. Sportliche und erlebnispädagogische Aspekte unterstützen unser Anliegen, die Jugendlichen stark zu machen.
Die dreitägige Fahrt in Jahrgang 10 setzt einen Schwerpunkt auf der Demokratiebildung. In einer außerschulischen Bildungsstätte beschäftigen sich die Jugendlichen mit den Grundsätzen und Voraussetzungen unseres demokratischen Zusammenlebens. basierend auf dem Lehrplan von Sozialkunde und auf den vorgesehenen Demokratietagen.
- Geschlechtsspezifische Förderung
Als koedukative Schule ist es uns besonders wichtig, die geschlechtsspezifischen Besonderheiten und Bedürfnisse von Mädchen und Jungen pädagogisch zu berücksichtigen. Unsere Schule ist Lebensraum für alle mit ihren jeweiligen Bedürfnissen. Das Projekt SCHLAU soll helfen, im Bereich geschlechtlicher Identität und sexueller Orientierung Vorurteile zu reflektieren und Diskriminierung vorzubeugen.
- Prävention https://www.sgg-bingen.de/praevention/
Die Präventionsprogramme der Unterstufe wie das „Programm zur Primärprävention“ (ProPP), der WIR-Ordner (Werte, Integration, Respekt) sowie das Antimobbingprogramm „Gemeinsam Klasse sein“ werden in der Mittelstufe weitergeführt und altersgemäß erweitert durch vielfältige Programme zur Prävention gegen Suchtverhalten (z.B. Prävention im Team, Be Smart -Don’t Start, RequiSiT, Klarsichtparcous, …) sowie Programme zur Förderung eines sicheren und verantwortungsvollen Umgangs mit den neuen Medien (z.B. Datenschutzworkshop, Ausbildung zum Medienscout, Workshop zum Schutz vor sexualisierter Gewalt im Netz). Dem Schutz vor sexualisierter Gewalt dient auch der Workshop „Bärenstark“, durchgeführt in allen siebten Klassen. Wichtig sind uns in diesem Zusammenhang auch die psychische Gesundheit unserer Schülerinnen und Schüler sowie persönlichkeitsbildende Maßnahmen. Das Programm„Verrückt? Na und!“ zeigt den Schülerinnen und Schülern auf, was sie tun können, um seelisch stabil zu bleiben, aber auch, wo sie Unterstützung finden können, wenn es ihnen nicht gut geht. Das Programm „Stark ins Leben“ in den Jahrgangsstufe 9 und 10 hilft, interessante Berufe zu entdecken, eigene Stärken zu entwickeln und an Schwächen zu arbeiten. Workshops sollen hier unterstützen und dabei helfen, qualifizierte, gut vorbereitete, gut organisierte und hoffentlich neugierige Menschen in die Oberstufe zu führen – gegebenenfalls auch in die Berufswelt. Hier geht es bereits um Berufsorientierung und um die Vorbereitung auf die Oberstufe, um die Frage, wohin die persönlichen beruflichen Wege führen können.
Unterstützt wird dies durch ein breites Konzept zur Berufsorientierung. https://www.sgg-bingen.de/berufsorientierung/
Der Übergang von der Mittelstufe in die Oberstufe
Am Ende der Jahrgangsstufe 10 erlangen die Schülerinnen und Schüler mit dem Versetzungszeugnis die Berechtigung zum Besuch der gymnasialen Oberstufe. Auf diesen Übergang, der einen Wechsel vom Klassen- zum Kurssystem bedeutet und ein höheres Maß and Selbstorganisation und Eigenverantwortung verlangt, werden die Jugendlichen am SGG mit folgenden Maßnahmen vorbereitet:
- Zum einen stehen in der 10. Klasse alle Fächer der Mittelstufe auf dem Stundenplan, um die Wahl der individuell passenden Leistungs- und Grundkurse zu erleichtern.
- Einzelne Klassenarbeiten, die dem Kursniveau angenähert sind, geben den Jugendlichen weitere Rückmeldungen über für sie geeignete Kurse.
- Die Oberstufenleitung berät in Informationsveranstaltungen die Schülerinnen und Schüler der 10. Klassen und ihre Eltern umfassend mündlich und schriftlich hinsichtlich der Struktur und Anforderungen der gymnasialen Oberstufe.
- Weitere detaillierte Informationen zu Inhalt und Anforderungsniveau der einzelnen Fächer in der Oberstufe sowie zur Abgrenzung von Grund- und Leistungskursen erhalten die Jugendlichen im Fachunterricht der zehnten Klassen von den jeweiligen Fachlehrkräften.
